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GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK

Wappen der Herren von Graben auf Kornberg (Schaufelwappen)
Wappen der Herren von Graben auf Kornberg (Schaufelwappen)

Das Geschlecht (De) Graeff entstammt vermuterweise den edelfreien, dynastischen Herren von Graben (natürliche Abkömmlinge der Meinhardiner, Grafen von Görz und Tirol, Herzöge von Kärnten). Die Familie Op den Graeff sollte laut ihrer nicht verifizierbaren Familiengeschichte ebenfalls den Von Graben entstammen. In beiden Fällen wird der aus der Steiermark stammende Wolfgang von Graben (1465-1521) als Stammherr angeführt. So sollte dieser zwei Söhne gehabt haben, Pieter Graeff (* 1484) und Abraham op den Graeff (1485-1561), die als Gründer beider Familien dienen. Beide Graeffschen Abstammungen sind aber nicht bewiesen, obschon bei den (De) Graeff externe Auszeichnungen, Urkunden sowie das identes Wappen vorhanden sind, welche Merkmale bei den Op den Graeff aber gänzlich fehlen. Somit kann eine Abstammung dieser Familie nicht erforscht werden, und muss daher auf Familienüberlieferungen zurückgreifen, die genealogisch nicht zu beweisen sind. 

Stammwappen Graeff, 1543 in Verwendung
Stammwappen (De) Graeff, 1543 nachgewiesen

 

 

Wappen De Graeff, 1690

Wappen De Graeff, 1885
Wappen De Graeff 1885, Neuer Adel der Niederlande

GRAEFF / DE GRAEFF / DE GRAEFF VAN POLSBROEK

Einleitung

Die holländische Familie De Graeff, auch Graeff, Graef, De Graef, Graaf, De Graaf sowie De Graeff van Polsbroek genannt, ist dem Patriziat und Adel angehörig. Er hatte seinen Höhepunkt im Amsterdam des 17. Jahrhunderts, dem Goldenen Zeitalter, als es durch geschicktes Taktieren zu einem der einflussreichsten Geschlechter der niederländischen Republik aufsteigen konnte. Ihr Reichtum begründete sich auf Handelsgeschäfte, bei ihrem politischen Engagement standen sie zumeist den Fürsten von Nassau-Oranien entgegen, und wurden von diesen mehrfach aus der Amsterdamer Stadtregierung ausgeschlossen. Im Laufe des Goldenen Zeitalters waren Angehörige der Familie De Graeff auch als bedeutende Mäzene tätig.

Anfänge, Familienzweige

Die Amsterdamer Familie tritt erstmals zum Anfang des 16. Jahrhunderts in Amsterdam auf. Als erste Familienmitglieder traten Griet Pietersdr Berents und deren Sohn Jan Pietersz Graeff (vor 1512–1553) in Erscheinung. Jan Pietersz war ein Sohn des Stammherren Pieter Graeff , einem Sohn des sich 1483 in Holland bezeugten Wolfgang von Graben (1465-1521) aus der Steiermark.

Jan Pietersz Graeff hatte fünf Söhne. Der zweitgeborene Lenaert Jansz de Graeff (1525/30- 1578) war in den 1560er und 1570er Jahren in den religiösen Befreiungskampf der Niederlande involviert; einerseits war er unter seinem Freund Heinrich von Brederode einer der militärischen und religiösen Führer Amsterdams und wahrscheinlich als „Monseigneur de Graeff“ als Kapitän der Wassergeusen an der Eroberung von Brielle im Jahre 1572 beteiligt.


Jan Pietersz dritter Sohn Dirck Jansz Graeff (1532–1589) begründete die Hauptlinie des Geschlechts. Er konnte als regierender Bürgermeister Amsterdams und Freund des Wilhelm von Oranien (''Wilhelm der Schweiger'') den Grundstein für den politischen und gesellschaftlichen Einfluss der Familie legen. Dirk Jansz war einer der Emigranten die vor dem spanischen Heer unter dem Herzog von Alba nach Emden flüchteten. Nach seiner Zurückkehr hatte Dirck Jansz Beteiligungen an über 100 Handelsschiffen. In den Jahren 1584/1585 war er mit einem Vermögen von 140.000 Gulden der reichste Einwohner Amsterdams.

Von Jan Pietersz jüngstem Sohn Jacob Jansz Graeff († ca 1580) spaltete sich eine Nebenlinie in Delft und Leiden ab, die aber nicht gleich der vorigen zu Einfluss gelangen konnte. Aus dieser Linie stammte Albert Claesz de Graeff (* 1620), ein holländischer Admiral (Schout bij nacht). Jacob Jansz Graeff hatte in Aadrian Jacobsz Graeff einen außerehelicher Sohn, der gleichermaßen Nachkommen hatte.

 

Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts traten diverse Personen mit den Namen, Namensvarianten von Graeff, von Graff, von Graaff, von Graefen, von Gräfen, von Graeve und von Graffen als Offiziere preußischer, sächsischer und beireuter Regimenter auf. Diese Quelle unterstützt in geogaphischer Hinsicht auch das im Wappenbuch "Rietstap" angeführte De Graaf (De Graeff) Wappen aus Preußen. Über die (etwaigen) noch lebenden Nachkommen dieses Zweiges ist nichts genaueres bekannt. Es existiert eine noch heute blühende (sächsische) Familie (Graeff, Gräff und dergleichen Abwandlungen) deren Ankunft aber nicht verifizierbar ist. Als deren Stammherr ist der preußische Amtmann Joachim Heinrich Gräff (1670 in Brandenburg -1752 in Barth, Schwedisch-Pommern) zu sehen. Seine Nachkommen (Graeff, Gräff) waren als Pastoren in Schwedisch-Pommern und als Buchhändler und Verleger in Leipzig, Sachsen (Buchhandlung Heinrich Gräff) sowie St. Petersburg, Russland tätig. Der gebürtige Leipziger Heinrich Graeff (auch Gräff) (1800-1861) war preußischer Abgeordneter Verfasser und Herausgeber juristischer Werke und Gutsherr von Kontopp im heutigen Polen. 

 

Ein historisch nicht genau eruierbare Familie (Graef, Gräf, Gräff) gelangte um 1800 via Sachsen (welches eine Verwandtschaft zu der vorigen vermuten lassen würde) nach Österreich, und stammte laut deren Familientradition ursprünglich aus Belgien (vormalige Niederlande), wo sie auch im heraldischen Zusammenhang mit einem "Schaufelsymbol" stand (vgl. Graeff, De Graeff, von Graben mit dem Schaufelsymbol im Stammwappen; siehe Wappen im Nachlass von Pater Lambert Gräf, OSB (auch Lambert Graef, geb. als Karl Gräf; 1848 - ca 1905), Pfarrer in Niederösterreich).

 

Ein möglicher weiterer älterer Familienzweig der holländischen Familie war im 17. Jahrhundert in Schoonhoven wohnhaft. Den De Graeff/De Graaf war laut einer familiären Quellen auch der bedeutende Arzt und Forscher Reinier de Graaf (Reinier de Graeff) zugehörig.

Goldenes Zeitalter

Dirck Jansz Graeffs Sohn Jakob Dircksz de Graeff (1570-1638) bauten den gesellschaftspolitischen Einfluss der Familie innerhalb der Stadtregierung und in den republikanischen und protestantischen Kreisen Hollands weiter aus. Jacob Dircksz war für seine ''freidenkende'', ''republikanische'' Gesinnung aber auch ''Ruhmsüchtigkeit'' bekannt. Er trat gemeinsam mit seinem Neffen Andries Bicker für die Anerkennung der Remonstranten in Amsterdam ein. Nach dem politischen Ende von Reinier Pauw kam die Leitung der Stadtregierung in die Hände der ''arminischen Clique'' rund um De Graeff und Bicker. Diese gab auch der, seit der Ermordung von Johan van Oldenbarnevelt geschwächten, republikanischen ''Staatspartei'' neue Impulse.


Im Laufe des Goldenen Zeitalters der Niederlande standen die Mitglieder der Familie De Graeff in harscher Kritik zum sich immer mehr ausbreitenden Einfluss des Hauses von Oranien-Nassau. Gemeinsam mit den führenden republikanischen Staatsmännern, den Gebrüdern Bicker und den De Witts waren diese Geschlechter für eine Aufhebung der Statthalterschaft, zumindest in der Provinz Holland. Die Geschlechter De Graeff und Bicker exemplarisch, trachteten den zentralistischen, autokratischen Regierungsstil der florentinischen Medici nachzuahmen.

 

Während einer Zeitspanne von annähernd einem halben Jahrhundert war die Familie De Graeff einer der republikanischen Führer der Amsterdamer und der holländischen Politik gewesen. Im Zeitraum der Jahre 1650/1660 war die Stadt Amsterdam auf dem Zenit ihrer Führerschaft innerhalb der niederländischen Republik angelangt. Diese Periode am Höhepunkt des Goldenen Zeitalters wurde von den Republikanern als die (ihre) „Ware Vrijheid“ (Wahre Freiheit) angesehen. Es war die sogenannte Erste Statthalterlose Periode, welche sich zwischen den Jahren von 1650 auf 1672 erstreckte. In diesen Dreiundzwanzig Jahren regierten die holländischen Regenten, und an deren Spitze stehend die von Amsterdam, die niederländische Republik. Die führenden Patrizier der Stadt Amsterdam fühlten sich durch ihre selbstbewusst erlangte Souveränität in die Nachfolge der antiken römischen Republik versetzt. Ohne die fortdauernden Einmischungen des oranischen Statthalters funktionierte das republikanische System der Regenten in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht effektiv.

Als herausragende Persönlichkeit des Geschlechts (des Goldenen Zeitalters) ist Jacob Dircksz ältester Sohn Cornelis de Graeff (1599-1664) anzuführen, der während seiner Regentschaft in Amsterdam in enger politischer und ökonomischer Kooperation mit seinem Neffen Johan de Witt, dem Ratspensionär der Republik der Vereinigten Niederlande stand. Im Jahre 1648 gelang es den holländischen Stadtregenten um De Graeff, Andries Bicker und Jacob de Witt den Eintritt der Niederlande in die Verhandlungen beim Frieden von Münster zu erwirken. Bis zu seinem Tod im Jahre 1664 erfüllte De Graeff das Bürgermeisteramt der Stadt Amsterdam, dem republikanischen Zentrum der Vereinigten Provinzen der Niederlande. De Graeff hatte aber nicht nur die Interessen dieser im Sinn, sondern auch die von Holland und den politischen Ausgleich mit den anderen niederländischen Provinzen.

Als Cornelis Bruder Andries de Graeff (1611-1678) 1671 mit seiner Staatgesinnten Partei erneut an die Macht gelangte, war es für ihn an der Zeit dieses, die „Ware Vrijheid“ der Republik, in einem Gemäldethema in seinem Bürgermeistersaal zu positionieren. Gerard de Lairesse stellte im ''Triomf der Vrede'' die Rolle der Familie De Graeff als die Beschützerin der republikanischen Staatsform, Verteidiger der Freiheit, dar. Es ist auch als Aussage zur Gegnerschaft und gegen die Rückkehr zur oranischen Statthalterschaft zu verstehen. Im Rampjaar 1672, nach dem politischen Ende des Regimes von Johan de Witt und des damit verbundenen politischen Ende der republikanischen Stadtregenten, wurde die Familie De Graeff von dem neuen Statthalter Wilhelm III. von Oranien-Nassau und Gillis Valckenier, Amsterdams neuen starken Mann, von ihren innegehabten Ämtern ausgeschlossen.

 

Am 16. Juli 1677 wurde dem oben genannten Andries de Graeff und seinen Sohn aufgrund der Abstammung von den Herren von Graben der Reichsritterstand verliehen. Auszug aus dem kaiserlichen Diplom zu Wien:

"Fide digis itegur genealogistarum Amsteldamensium edocti testimoniis te Andream de Graeff non paternum solum ex pervetusta in Comitatu nostro Tyrolensi von Graben dicta familia originem ducere, qua olim per quendam ex ascendentibus tuis ejus nominis in Belgium traducta et in Petrum de Graeff, abavum, Johannem, proavum, Theodorum, avum, ac tandem Jacobum, patrem tuum, viros in civitate, Amstelodamensi continua serie consulatum scabinatus senatorii ordinis dignitabitus conspicuos et in publicum bene semper meritos propagata nobiliter et cum splendore inter suos se semper gessaerit interque alios honores praerogativasque nobilibus eo locorum proprias liberum venandi jus in Hollandia, Frisiaque occidentale ac Ultrajectina provinciis habuerit semper et exercuerit."

Kunst, Architektur und Wissenschaft

Die Familie De Graeff machte sich auch als Förderer der Künste einen Namen. Im Goldenen Zeitalter wurden besonders die Maler Govaert Flinck, Nicolaes Eliaszoon Pickenoy, Jan Lievens, Jacob Jordaens, Rembrandt, Jürgen Ovens, Gerard ter Borch, Jacob van Ruisdael, Thomas de Keyser, der oben erwähnte Gerard de Lairesse sowie der Bildhauer Artus Quellinus mit repräsentativen Aufträgen, einerseits die Mitglieder der Familie darzustellen und andererseits deren Wohnhäuser auszuschmücken, bedacht. Diese Künstler haben von der Familie auch öffentliche Aufträge erhalten; so wie Ruisdael, Quellinus oder Flinck bei der Ausschmückung des damals neu erbauten Stadthauses Op de Dam, wofür sich die Familie De Graeff und Bicker verantwortlich gezeigt hatten. Als Vorbild der neuen Souveränität, welche sie seit dem Friedensschluss von Münster im Jahre 1648 innehatten, schufen sie den Bau nach dem Vorbild des venizeanischen Dogenpalastes. Cornelis de Graeffs Sohn Jacob de Graeff (1642-1690) legte hierbei im Jahre 1655 den ersten Stein. Der Poet und Dichter Joost van den Vondel verfasste zu diesem Anlass das Gedicht ''Bouwzang''. Neben Van den Vondel schrieben auch noch andere Dichter wie Jan Vos, Caspar van Baerle und Gerard Brandt Verse und Gedichte über die De Graeffs.

Als Bauherren zeigten sich die De Graeffs neben dem Op de Dam für die Vergrößerung Amsterdams und für den Bau verschiedener Grachten verantwortlich. Danebst ließen sie sich prachtvolle Stadthäuser, wie das Palais Huis van der Graeff, erbauen. Desgleichen zeigten sie sich im Jahre 1638 für den Grundstock des heutigen Palais Soestdijk verantwortlich, welches im Jahre 1674 an Wilhelm III. von Oranien, der in seiner Jugend einige Sommer auf diesem Anwesen verbrachte, verkauft wurde.

Über die reine Beauftragung von Künstlern hinaus waren die De Graeff auch große Sammler, deren Erwerbungen heute verschiedene niederländische und ausländische Kunstmuseum schmücken; so befanden sich unter anderem auch die beiden Rembrandtgemälde ''Minerva'' und der ''Jakobssegen'' sowie Frans Halsens Gemälde ''Catharina Hooft mit ihrer Amme'' bis in das Jahr 1753 beziehungsweise 1872 in Familienbesitz.

Des Weiteren organisierten die Gebrüder Cornelis und Andries de Graeff im Jahre 1660 die ''Dutch Gift'', das ''Holländische Geschenk''. Jenes war als eine pro-englische Strategie Amsterdams gedacht und beinhaltete eine reichhaltige Kunstschenkung an den englischen König Karl II.

Jakob Dircksz de Graeff führte gemeinsam mit seinem Freund Pieter Jansz Hooft (1575–1636) ein chemisches Labor, worin sie ein Perpetuum Mobile erfanden. Auf dem Gebiet der Wissenschaften sowie in Bereichen der Naturkunde unterhielt De Graeff eine nahe Zusammenarbeit mit Constantijn Huygens und via Huygens auch mit Rene Descartes. Sein Enkel Pieter de Graeff (1638-1707) verkehrte mit Huygens Sohn Christiaan Huygens.

Nach dem Goldenen Zeitalter

Nach dem politischen Ende der Familie und dem Ende des Goldenen Zeitalters im Jahre 1672 konnte sich die De Graeffs nur mehr bedingt in der Amsterdamer Politik festsetzen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts waren drei Familienmitglieder, namentlich Johan de Graeff (1673–1714), Gerrit de Graeff (1711–1752), Gerrit II de Graeff (1741–1811), sowie im 19. Jahrhundert mit dem Fabrikanten Gerrit IV de Graeff (1797–1870), dem Vater des bedeutenden Diplomaten Dirk de Graeff van Polsbroek (1838-1916), nur noch ein De Graeff in der Amsterdamer Stadtregierung gesessen. Dirks Bruder Gerrit Arnold Theodoor de Graeff (* 1831) entstammte ein Zweig in Südafrika. Im 20. Jahrhundert konnte Dirks Sohn Andries Cornelis Dirk de Graeff (1872-1958) die politisch engagierte und erfolgreiche Tradition seines Geschlechts fortsetzen. Auch waren diverse Familienmitglieder im Ingenieurswesen, in den Wasserschaften, als staatliche Inspektoren und Kommissare, Direktoren, im Hofdienst am niederländischen Königshof und als Finanz- und Firmenmanager tätig.

Herrlichkeiten und Familiensitze

Wie viele andere holländische Regierungsfamilien waren die De Graeffs bestrebt, sich die Lebensweise und das gesellschaftliche Auftreten des alten Adels anzueignen und von diesem als ebenbürtig anerkannt zu werden. Zur Bedeutung des Erwerbs feudaler Grundherrschaften, sogenannter ''heerlijkheiden'', die in den Niederlanden zugleich mit einer eigenen, teils hohen, Gerichtsbarkeit verbunden waren. Jakob Dircksz de Graeff war einer der ersten holländischen Stadtregenten, der in den Besitz einer solchen Hohen Herrlichkeit gelangte. Im Jahre 1610 kaufte er für sich und seine Familie von Karl Graf von Aremberg die ''hoge of vrije heerlijkheid Zuid-Polsbroek'', die zu dieser Zeit kein Lehen mehr, sondern als Allod-Eigentum frei vererb- und veräußerbar war. Deren Erwerb steigerte das Ansehen und leistete einen Beitrag zur Aristokratisierung der Familie, in der sich De Graeff und seine Erben seither als ''Vrijheer(en) van Zuid-Polsbroek'' ansprechen lassen konnten.


Des weiteren erbte sein Enkelsohn Jacob de Graeff im Jahre 1678 die Hohe oder Freie Herrlichkeit von Purmerland und Ilpendam. Die Herrlichkeiten Zuid-Polsbroek beziehungsweise Purmerland und Ilpendam waren bis in das Jahre 1870 im Besitz des Geschlechtes De Graeff. Zusätzliche Herrschaftsrechte, hier ist die Familie De Graeff als Lehensempfänger der Stadt Amsterdam zu sehen, hatten sie als Ambachtsherren von Amstelveen, Nieuwer-Amstel, Sloten, Sloterdijk und Osdorp, Urk und Emmeloord.

Des weiteren ist der Amsterdamer Ratsherr Pieter Dircksz Graeff (1573–1645), im Besitz der Herrlichkeit Engelenburg gestanden. Die Geschwister Alida (1651–1738) und Arnoldina de Graeff (1652–1703) waren in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ''vrijvrouwen'' der Hohen und Freien Herrlichkeit Jaarsveld gewesen.

Ländereien und herrliche Rechte hatte die Familie im südlichen Teil von Netelenburg, im nordholländischen Duinen, in Cromwyk und Hoog Rietveld bei Woerden, bei Langerak und am Fluss Lek, den ausgedehnten Landsitz Vredenhof bei Voorschoten sowie in De Graskamp und Gründe in Soestdijk, Palais Soestdijk und Baarn.

Stammsitz der Familie war das „Huis De Keyser“ am Amsterdamer Damrak, welches nach der außerhalb des Gebäudes angebrachten „Keizerskroon“ benannt ist. Die ersten drei Generationen betrieben dort einen Eisen- und Tuchhandel. In weiterer Folge erwarben Familienmitglieder Stadthäuser am Fluweelenburgwal, Herengracht und Gouden Bocht. Stellvertretend sind hierfür Herengracht 573, worin das Tassenmuseum Hendrikje beherbergt ist, und das im Jahre 1672 für Andries de Graeff vollendete Stadtpalais Huis van der Graeff zu nennen. Ende des 19. Jahrhunderts übersiedelte der Hauptzweig der Familie von Amsterdam nach Den Haag wo er noch heutzutage wohnhaft ist.

Außerhalb der Stadt besaß die Familie De Graeff diverse Ländereien und Landsitze. 1581 erwarb Dirck Jansz Graeff den großen ''Landsitz Vredenhof'' bei Voorschoten. Jener wurde kurze Zeit später von den Spaniern verwüstet und nach seinem Tod von seinem Sohn  Jan Dirksz Graeff neu aufgebaut. Das Gut blieb bis in das 18. Jahrhundert in den Händen der Familie. Weitere Landsitze hatte die Familie mit dem nachmaligen Palais Soestdijk, ''Bronstee'' bei Heemstede, ''Vogelsang'' und ''Valkenburg'' sowie ''Graeffenveld'' bei Oud-Naarden. Schlösser besaß die Familie De Graeff mit ''Schloss Engelenburg'', Schloss Ilpenstein und dem Schloss von Jaarsveld.

OP DEN GRAEFF / UPDEGRAFF / UPDEGROVE

Die deutsche (klevische) Familie Op den Graeff war im Zeitraum des 16. und 17. Jahrhundert dem gehobenen Bürgertum angehörig.

16. und 17. Jahrhundert

Der hier angegebene Op den Graeffsche Stammherr Abraham op den Graeff (1485-1561) war ursprünglich dem Katholizismus Angehörige ehe er sich als ein protestantischer Reformer im niederländischen/klevischen Grenzgebiet tätig wurde. Seine Nachkommenschaft ist nicht genauer eruierbar, beinhaltet wohl aber Herman op den Graeff van de Aldekerk  (* 1520) und dessen angenommene Tochter Anna op den Graeff van de Aldekerk (1557–1613). Jene Anna, eine Nonne, sollte laut Überlieferung drei Söhne hinterlassen haben, worunter Herman op den Graeff (1585-1642), Stammherr einer noch heutzutage in Nordamerika (und Deutschland?) existierenden Familie, die seinen Enkelsöhnen, darunter auch Abraham Isacks op den Graeff (1649-1731), entstammte. 

 

Herman op den Graeff (1585-1642) (der bereits erwähnte mittlere Sohn von Anna op den Graeff van de Aldekerk) war ein reicher Leinenweber der in Krefeld zum mennonitischen Herren-Bischof avancierte. Ihm entstammen die amerikanischen Op den Graeff, Updegraff, Updegrove, Updegrave etc genannt. Der ebenfalls schon erwähnte Abraham Isacks op den Graeff (1649-1731)  gehörte zu den sogenannten „Original 13“, der ersten geschlossenen Gruppe deutscher Auswanderer nach Amerika, und initiierte am 18. Februar 1688 gemeinsam mit seinem Bruder Derrick, Franz Daniel Pastorius sowie Gerrit Henderich den ersten Protest gegen die Sklaverei in Amerika. Er war überdies ein Cousin von William Penn, dem Begründer und Gouverneur von Pennsylvania.

 

Die amerikanischen Updegraff waren in der Folge als Repräsentanten im amerikanischen Kongress oder auch als Quäker tätig. Ihre Abstammungen blühen noch heutzutage.

 

Die in Deutschland verbliebenen (Op den) Graeff/Gräff sind trotz ihrer noch heutzutage blühenden Familie im historischen Sinne im Dunkel der Geschichte verschwunden. Aufgrund der angenommenen Namensgleichheit ist nicht genau zu sagen welche Graeffs dem Geschlecht entstammen. Die heutzutage in Westdeutschland lebende Familie Graeff/Gräff mit Stammort Bad Kreuznach zeigte im 17. Jahrundert ein zu den Op den Graeff identes Schwanenwappen.